SPAM the musical – The Berlin Installation (German Reviews)

Liedgut allerhöchster Poesie

Hier dreht sich gerade alles um die nervigen, das virtuelle Postfach verklebenden Massenmails – “Spam the Musical” vereint Liedgut allerhöchster Poesie, die von total einsamen Mädchen und riesengroßen Gewinnen zu berichten weiß.

PRINZ Berlin 22.11.08

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In jeder SPAM-Mail steckt ein Musical

Trotz der großen Medienkompetenz, die man sich selbst gerne zuschreibt, passiert es immer wieder Mal: Der Text einer durch den SPAM-Filter geglittenen SPAM-Mail fesselt einen für ein paar Momente, weil die Botschaft so dreist, abgedreht, verhexelt oder nicht mehr dechiffrierbar ist, dass man im Text eine künstlerische Qualität oder Absicht zu entdecken glaubt. Wie oft dachte ich schon, man sollte mal was draus machen? Nun endlich hat es ein internationales Team unter dem Namen „SPAM the musical“ gemacht. Sie sammelten die „schönsten“ SPAM-Mails und ließen sich von den Texten zu Revue-Nummern eines Web-Musicals anregen. So entstanden inzwischen drei bei Youtube gehostete Clips über drei klischeehafte SPAM-Botschaften: Der typische Hilfeschrei wurde zum Clip „The Dying Widow“, die Gewinnbenachrichtigung zu „The Lottery“ und das Sexpartnergesuch zu „The Lonley Girls“. Jeder Clip wird von einem zweiten Teil konterkarriert der in der Botschaft mündet: „Tell the world how fabulous and f***ed up, we are.“ Weil das Ganze als Kunst ist, wird es derzeit in der Galerie Wagner in der Karl-Marx-Allee in Friedrichshain gezeigt und die Künstler verschicken selbst nun SPAM-Mails, um auf sich aufmerksam zu machen. So bekam ich eine Mail von „Vincent van Gogh“, der zum Abschluss des Textes mit den Worten „I wish I still had both ears to hear this stuff!“ zitiert wird. Ob ihm das geholfen hätte?

Magnus Hengge, Berlin-ist.de 30.09.08

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30 Jahre Spam – Aus Spam-Mails werden Musicaltexte

“Weißt du noch, wer ich bin?”, “Sie haben gewonnen!”. Spam-Mails sind eine Pest – oder Material für Kunst. 30 Jahre nach der Erfindung von Spam macht “Spam – The Musical” aus aktuellen Werbetexten Videoclips. Als Gary Thuerk 1978 eine Mail an alle 600 User des Internet-Vorläufers Arpanet schickte, um eine Präsentation des neuen DEC-Computers anzukündigen, hagelte es empörte Antworten. Die erste Spammail der Computergeschichte (hier im Originaltext), noch wenig reißerisch geschrieben, brachte der Firma allerdings gleich ein paar Verkäufe mehr ein. Woher kommt das Wort “Spam”? Der Name “Spam” geht auf einen Monty-Python-Sketch zurück, in dem die gesamte Frühstückskarte Spam (Frühstücksschinken aus der Dose) als Beilage hat. Ein typischer Nerd-Verweis aus der frühen Zeit des Internet. Heute werden Milliarden von Spam-Mails jeden Tag durchs Netz geschickt. Über 80 Prozent des gesamten E-Mail-Verkehrs besteht aus Spam. Nervige Werbung im elektronischen Postfach ist Alltag. Kein Wunder, dass daraus auch Kunst entsteht. Eine Gruppe von Videokünstlern hat Spams gesammelt und als Textvorlagen für eigene Clips benutzt. Es geht um die klassische Lotto-Mail, die sterbende Witwe und die “Lonely Girls”. Das Projekt nennt sich “Spam – The Musical” und ruft natürlich auch zur Nachahmung auf.

Peer Göbel, zoomer.de 26.09.08 

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SPAM the musical

Dreißig Jahre, nachdem die erste Spam-E-Mail über das Arpanet verschickt wurde, zu einer Zeit, in der alle bemüht sind, Spam-Mails auszufiltern, bekommt Spam endlich die verdiente Aufmerksamkeit: Spam kommt auf die Bühne.

Spam wird Kunst. 16 anonyme internationale Künstler haben zwei Jahre lang eMails gesammelt und aus den Fragmenten Kunstvideos gemacht. Die Premieren fanden in Berlin und Edinburgh statt, drei Sequenzen kann man als Youtube-Video bei SPAM the musical sehen: The Lonely Girls, The Dying Widow und The Lottery.

Man hat die Chance mitzumachen, indem man ihnen seine Lieblings-Spam-eMail schickt (“Only useless weird shit”), wird man ausgewählt, kann man der Star im nächsten Video sein.

Eine witzige Idee – aber wie das bei Kunst so ist, bleibt einem das Lachen im Hals stecken: die “Deleted Scene” am Ende der Videos setzt einen krassen Kontrast zu dem Kreischen und Werben.

Zur Zeit spammen die Künstler übrigens Museen und Kuratoren persönlich an, nach eigener Aussage “täglich vier Stunden, mindestens zwölf Monate lang” (siehe Telepolis-Artikel). Auch die Website lohnt einen genaueren Blick, weil sie sehr auf “spread the news” angelegt ist, geschickt gemacht, mit viel Ironie und passend zum Thema.

Wer ne Zeile von sich selbst im Musical erkennt, darf einen ausgeben – ihr seid jetzt Künstler.

Online Marketing Blog 24.09.08

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***SPAM***

Es wurde auch Zeit: Spam bekommt ein eigenes Musical. Die Künstler dahinter verwenden Texte von Spam-Mails, um daraus absurde Stücke zu kreieren, die wiederum nach Spam-Manier das Internet überfluten sollen. Und jeder darf mithelfen. Heute schon gespamt?

Gut 30 Jahre ist es jetzt her, dass die erste Spam-Mail verschickt wurde und obwohl es so viele Filter gibt und obwohl doch jeder Internetnutzer darüber bescheid wissen sollte, ist das Phänomen ungebrochen.

Bei YouTube finden sich dann bislang drei Videos. Tipp: Auf jeden Fall bis zum Schluss dranbleiben (oder notfalls vorspulen), denn dann folgt jeweils noch eine “deleted scene”, die einen ziemlich verstörenden Kontrapunkt setzt. 

Den Gedanken des Spam tragen die Künstler noch weiter. Auf ihrer Homepage regen sie an, selbst zum Spammer zu werden – mehr oder weniger. So gibt es vorgefertigte Mailtexte, die man an Museen und Journalisten verschicken soll.

Und natürlich ist “SPAM the musical” auf allen wichtigen Seiten des Web 2.0 zu Hause: YouTube, MySpace, Facebook und noch einigen mehr.

Abgesehen von der Tatsache, dass Spam tatsächlich ein kulturelles Phänomen ist, ist an dem Projekt interessant, wie die Macher selbst auf ähnliche Techniken zurückgreifen und dabei alle Kanäle nutzen, die sich ihnen bieten. Natürlich tun sie dies ironisch und im Namen der Kunst. Aber ein wenig enttäuschen muss man sie ja sowieso. Eigentlich ist das kein Spam, was sie dort tun – Fachleute würden es wohl “virales Marketing” nennen.

Jan Tißler, UPLOAD magazine  21.09.08

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Das Musical zum Thema Nummer eins im Posteingang. Spam kenne wir alle. Hier macht es sogar Spaß.

Dagger und die Welt, 19.09.08

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Spam als Musical und Street Art des 21. Jahrhunderts

Gut 30 Jahre nachdem Carl Gartley für Digital Equipment die erste Spam-Mail [extern] verschickte funktioniert die Masche noch immer so gut, dass sie alles andere als am Aussterben ist. Was damals galt, das gilt auch heute noch: Die Mail zog zwar wütende Reaktionen auf sich, führte aber trotzdem dazu, dass die Firma einige Computer verkauft. 

Nun gibt es eine auf fünf Länder verteilte sechzehnköpfige Gruppe, die aus Spam ein Musical gebastelt hat. Aus in zwei Jahren gesammelten Mails wurden bisher drei Clips produziert, die das Material nicht nur musikalisch, sondern auch visuell interpretieren: [extern] The Lottery hat eine klassische “Gewinninformation” zur Grundlage, die mit einem Krawattenträger und seiner Assistentin in klassisch-überdrehter Quizshow-Manier mit Leuchtpunktschrifteinblendungen, Gekreische, Tom-Jones-Hintergrundmusik, Kunstapplaus und einem Laptopimitat aus Pappkarton inszeniert wird.

Auf den eigentlichen Vortrag der Spam-Mail folgt in jedem Video eine “Deleted Scene” als eine Art Antithese. In [extern] The Lonely Girls, der Umsetzung einer klassischen Sexofferte mit drei kauderwelschenden weiblichen Darstellerinnen enthält die Deleted Scene dazu eine Körpermarionette, die zu einer depressiven Coverversion von AC/DCs TNT bewegt wird. [extern] The Dying Widow wird von einer Opernsängerin vorgetragen, weshalb sich der Text ohne Programmheft eher erahnen als verstehen lässt. Eine Figur, welche sie in einer Pieta-Pose hält, trägt vor dem Gesicht ein “Your-Face-Here-Schild”. Weitere Videos sind in Planung.

Premiere hatte das Musical als “Viral Video” auf dem [extern] Edinburgh Art Festival – dort wurden die Clips in Sportbars, Pubs, Clubs, Konzerthallen, Kinos und Elektroläden als 3gp-Dateien über einen Bluetooth-Sender gespamt, den Stadtführer dabei hatten.

In Berlin ist “Spam the Musical” in der [extern] Galerie Wagner derzeit im “Joseph Mumbasi Remix” zu sehen – zwischen Bildern des Anselm-Kiefer-Lehrers Peter Dreher und Werken von Natascha Stellmach, die behauptet, aus Kurt Cobains Asche einen Joint gebastelt zu haben. Joseph Mumbasi ist der Name eines angeblichen Tretminenopfers, der für sein Mitwirken einen 10 Jahre alten Computer bekommt und von dem die Spam-Musical-Schöpfer meinen: “Roy Liechtenstein couldn’t have done it better without arms.” Die in der Skulptur von Mumbasis Webpage verwendeten chinesische LED-Schnüre sollen von dessen Onkel stammen, der ihm diese in einer Art Zwangsmarketing aufdrängte.

Derzeit analysieren die Initiatoren Kunstnewsletter wie e-flux oder Photography Now und sammeln über diese Adressen von Museen und Kuratoren die sie dann persönlich “anspammen”. Laut eigener Auskunft “täglich vier Stunden, mindestens zwölf Monate lang.”

Daneben hat sich das Projekt auch noch auf 14 Video- und sieben Social-Network-Portalen eingerichtet: Die MySpace-Freundesliste – eine relativ junge Kunstform für sich – enthält unter anderem Jesus, Luis Buñuel, de:bug, Charles Darwin, [extern] Cobra Killer den Steirischen Herbst und – Paris Hilton.

Peter Mühlbauer, Telepolis 19.09.08

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Eben so unsterblich wie Kurt Cobain sind Spams. Obwohl sie niemand haben will, scheinen sie unauslöschlich zu sein. Eine Gruppe anonymer Künstler reagiert auf die Verspammung, indem sie Spams einfach zur Kunstform erklärt. Bisher gab es die durch Spam inspirierten Videos wie „The Lonely Girls“ oder „The Lottery“ nur im Internet. Für  Berlin verkörperlichte sich das virtuelle Projekt ‘SPAM-the musical’ erstmalig in Form einer Rauminstallation.

Sarah Hegenbart / SOUNDS LIKE ME 28.09.08

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